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... und manchmal nenne ich es Schmuck

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Ich gestalte Etwas und manchmal nenne ich es Schmuck.
Sehr geehrter Herr A.,
es ist nicht gerade leicht schriftlich zusammenzufassen, was ich bisher gemacht habe. Eines wird mir aber immer bewusster, dass Schmuck eine meiner lieblings Beschäftigungen ist. Mit jeder neuen Arbeit betrete ich einen Pfad, den ich schon etliche male gegangen bin, der mich aber überraschender Weise schon vom ersten Schritt an immer woanders hinführt!

Im Jahre 1985 unterbrach ich ein Kunst- und Kulturtheoriestudium in Leipzig. Ich wollte etwas praktischeres tun und ging deshalb nach Halle, wo ich meinen Gesellenbrief machte und bis 1993 im Fachbereich Kleinplastik/Schmuck an der Hochschule für Kunst und Design „Burg Giebichenstein“ studierte. Bis 1997 war ich selbständig tätig und seit 1997 bilde ich, an der Staatlichen Berufsbildenden Schule Arnstadt (Thüringen), Goldschmiede aus.

Solange ich Schmuck mache nehme ich an Wettbewerben teil. So habe ich immer wieder die Möglichkeit mit vielen anderen am selben Thema zu arbeiten und dann zu vergleichen. Als Gestalter versuche ich, weitestgehend unabhängig von gesellschaftlichen Konventionen und Modeerscheinungen zu arbeiten. Nur wenn ich es schaffe mich der üblichen Denkweise zu entledigen, kann ich etwas Neues (wirklich innovatives) schaffen, was aus der Masse der oft nur oberflächlich gestalteten Dinge herausragt. Ich möchte Geschmack bilden und nicht folgen. Ich möchte nicht nur am Lack kratzen. Gestalten heißt einer Idee Gestalt zu verleihen.

Ich frage mich immer wieder, wenn ich an einem neuen Wettbewerb arbeite, ob ich vorbehaltlos und unvoreingenommen bin. Dabei versuche ich über das Thema hinaus mir auch vorzustellen, wie die Arbeiten der anderen wohl sein werden (Zeitgeist ist Ausdruck eines Massenverhaltens). Gerade wenn die Themen anfangs nichts herzugeben scheinen, lohnt es sich gründlich darüber nachzudenken (den Dingen auf den Grund zu gehen). Bei den Ergebnissen findet man immer wieder Arbeiten, die zu jedem anderen Thema auch gepasst hätten!? Einige Arbeiten kann man sogar schon an der „Handschrift“ sofort zuordnen. Eine formale Handschrift zu pflegen, damit man um jeden Preis wieder erkannt wird, finde ich hinderlich- man zitiert sich ständig selbst.

Ich möchte an einigen Beispielen meine Herangehensweise aufzeigen.

Symbol III Award 2001 zum Thema Schmuckset

Üblicherweise werden mehrere Schmuckstücke als Set angesehen, wenn sie durch äußere, verbindende Merkmale aufeinander abgestimmt sind z.B. durch eine Wiederkehrende Form, Farbe, Ornament, Edelsteinart oder einfach durch Ändern der Größe. Die Funktion und die Trageweise des einzelnen Schmuckstücks wird weitestgehend vom Einsatzort am Körper bestimmt (z.B. Ohrhänger oder Ohrstecker, Halsschmuck oder Halskette, Brosche oder Anstecknadel, Fingerring oder Armreifen usw.) Bei der Gestaltung und der Fertigung der einzelnen Set-Teile handelt es sich um die Fertigung einzelner Schmuckstücke, welche auch getrennt von einander getragen ihre Funktion behalten und Ihre schmückende Aufgabe erfüllen.

Bei meinem Schmuck-Set ist die Zusammengehörigkeit der einzelnen möglichen Schmuckanwendungen nicht mehr nur gedachter Natur (oberflächlich-subjektiv), sondern aus der tatsächlichen Einheit des Schmuckstückes objektiv gegeben.

Es bleibt der Fantasie und Offenheit des Trägers, wie der Schmuck nach Außen wirkt.

Bei der Gestaltung der goldenen Amtskette für den Halleschen Oberbürgermeister (1993) habe ich die üblichen geschichtlichen Darstellungen bzw. Ereignisse und Personen bewusst gemieden, weil Diese bereits vor mir subjektiv gewertet und gesellschaftlich vorselektiert wurden und somit nie die Wirklichkeit wiederspiegeln. Die Kette, welche ich mit meiner Arbeit abgelöst habe, war in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechend umgestaltet worden (durch auswechseln der unangemessenen Teile)! Ich wollte meiner Arbeit ein ähnliches Schicksal ersparen. Für meine Amtskette habe ich Türme wichtiger Gebäude in Halle verwendet, welche aus dünnem Gold herausgedrückt und hohl montiert wurden. Türme haben geringen praktischen Nutzen, um so mehr stehen sie symbolisch für unverzichtbare Eigenschaften eines Stadtoberhauptes wie Überblick, Weitblick u.Ä. Architektur (die Form) bleibt bestehen, auch wenn sich ihr Inhalt irgendwann ändert. Heute stehen diese sechs Türme in Halle an der Saale auf dem Gerichtsgebäude, auf dem Landratsamt und als Wasserturm. Der „Rote Turm“ auf dem Marktplatz steht für das Hallesche Bürgertum und ihm gegenüber die Marktkirche mit ihren vier Türmen. Ich hoffe, dass so meine Arbeit Bestand haben wird, über die unausweichlichen, gesellschaftlichen Veränderungen und Interpretationen hinaus.

Ein zweiter wichtiger Aspekt meiner Arbeit ist die Entwicklung von Schmuckfunktionen. Es gibt viele Dinge im Leben die gut sind, so dass sie lange Zeit keine wesentliche Veränderung erfahren. Meist sind es praktische Dinge bei denen sich nur das Dekor ändert. Man nimmt eine bewehrte Funktion (Mechanik, Schnittbogen usw.) und gestaltet nur an der Oberfläche. Wenn man einen Gegenstand zum ersten mal sieht und vom Aussehen (Form) auf den Inhalt schließen kann oder sogar die Funktionsweise sofort begreift, dann liegt es meistens am guten Design. Innovativ ist aber für mich das, was beim ersten mal anschauen zum Fragen anregt. Das heißt, wenn eine der Komponenten „Inhalt“, „Form“, „Funktion“ noch nicht Allgemeingut ist und daher zuerst Fragen, vielleicht Unverständnis oder sogar Ablehnung hervorruft. Neue Dinge werden unweigerlich an veralteten Maßstäben gemessen. Jemand hat mal trefflich gesagt: „Nicht die Erfinder sind Ihrer Zeit voraus, sondern die Masse hinterher.“

Sehr geehrter Herr A., wenn ich so über meine Arbeiten nachdenke und darüber schreibe, fällt es mir auf, dass ich eigentlich nach einem objektivierbaren Kriterium für Schmuck suche. Nur „Schön“ ist für mich sehr relativ und unbeständig. Ich versuche schöpferisch, im wahrsten Sinne des Wortes, zu sein, etwas in die Welt zu entlassen, was hoffentlich nicht nur ich als „gelungen“ empfinde. Gute Gestaltung ist für mich viel mehr als schöne, glänzende Dinge aneinander zu reihen. Ich verstehe es aber auch, dass der große Schmuckmarkt viele Oberflächengestalter braucht. Der meiste Schmuck sieht wie Schmuck aus. Den kaufen auch nur Menschen, die nicht mehr als ein unerklärliches Bedürfnis verspüren sich etwas umhängen zu wollen, das „Schmuck“ genannt wird.

Es bleibt die Frage:

Ist Schmuck das, was man Schmuck nennt, oder was man damit macht?

 

Symbol II Award 2000

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„Ringe. Aufbrechen für neue Deutungsdimensionen.“

Einige wenige Worte aus der Ausschreibung waren hier der Auslöser für meinen Wettbewerbsbeitrag „Textrolle“ :„...Schmuck als Symbol...“ und „... der Ring als Allegorie der Unendlichkeit...“

Gibt es die "Unendlichkeit"?

Eigentlich ja... aber nicht für das einzelne Individuum.

„Schmuck“ und „Symbol“ sind es Sinnbilder ?

Stehen sie wirklich für „Form“ und „Inhalt“ ?

Wie kann ich diese Einheit als Schöpfer verewigen? Gehen doch die Inhalte schneller verloren, wehrend die Formen vielleicht mit einem neuen Gehalt länger weiterleben ? Die Kunstgeschichte ist voll von Deutungen über die Bedeutung der Dinge. Symbole können einen Inhalt nur dann vermitteln, wenn wir diesen Inhalt bereits kennen.

Ein Titanband wird mit Text, Bildern, Piktogramme dauerhaft beschriftet. So wie das Leben hat auch dieser Ring einen Anfang und ein Ende. Um diesen Ring zu haben braucht es keinen besonderen Anlass. Der Text Was einmal darauf festgeschrieben wurde, ist unauslöschlich. Den äußeren Reifen kann man zwar wie sein Äußeres jederzeit verändern, das Wesen(tliche) aber wächst mit dem Träger und überlebt ihn sogar.

 

Emanzipation

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„Emanzipation“ Befreiung von Abhängigkeit und Bevormundung; Gleichstellung; [ lat. Emancipare >> Entlassung eines Sohnes aus der väterlichen Gewalt<<] ( Wahrig-Fremdwörterbuch)

Aus Anlass einer geplanten Veröffentlichung der Goldschmiedezeitung zum Thema „Schmuck-emannzipiert“ Juli 2003

Wenn wir von Schmuck-Emannzipation sprechen, lohnt es sich zuerst nachzudenken, welche Abhängigkeiten und Bevormundungen vorherrschen, von denen Männerschmuck befreit werden soll und ob wir eine weitere Gleichstellung brauchen?!
In der Tierwelt ist die Frage nach dem „Schmucksein oder nicht…“ schnell und eindeutig beantwortet! Schmuck ist der Mann! Er hat das schönere Gefieder, er hat die Hörner auf, er beeindruckt mit seinem Gesang und mit seinem Können… .
Im Tierreich ist alles klar geregelt. Der Schönste darf sich fortpflanzen, der Stärkste überlebt und … das hässliche Entlein wird auf natürliche Weise ein schöner Schwan!

Haben wir Männ(s)chen, durch unser Menschsein, uns schon so weit von unserer wahren Natur entfernen lassen?

Wer hat den Schmuck erfunden? War es ein Mann oder eine Frau? Ich denke, das war ein Mann. (Die Frauen hatten damals noch ganz andere Sorgen.) Nach erfolgreicher Jagd steckte er sich vielleicht einen Knochen ins Knopfloch oder schmückte sich mit fremden Federn… . Alle sahen ihn, und wussten Es. Jahre später bekam seine Auserwählte diesen Knochen geschenkt, damit sie immer an ihn denke. Irgendwann blieb aus dieser Beziehung nur noch der Knochen übrig und keiner dachte mehr an den Schmuckerfinder.
Wenn ich heute manchmal diesen Knochen wieder im Knopfloch trage, denken alle ich sei verrückt!? Keiner versteht mich! Ich bin doch ein Mann! Ich darf das!
Na ja, sie wissen es leider auch nicht besser. Sie denken alle, da gehört eine Blume hin, oder bestenfalls ein echt vergoldetes Schmuckstück mit einem richtig synthetischen Diamanten von… (…wie hieß er doch noch mal, dieser aus Presse, Funk und Fernsehen bekannt gemachte Designer mit der Blume…?)

Wenn ich sage: „Sei ein Mann!“, dann meine ich nicht: „ziehe die Uniform an“, sondern: „sei nicht normal!“, (normal sind die meisten). „Sei weder altmodisch noch modern!“ (es ist sowieso das Selbe.) Denke vor, nicht nach und suche das Besondere.
Ich wünsche mir Schmuck, der sich lohnt gemacht worden zu sein. Schmuck der getragen oder im Museum für die nächsten Generationen aufbewahrt wird, statt von ihnen schon morgen eingeschmolzen zu werden.

Schmucksein oder nicht - das ist hier die Flagge?

Bleiben Sie herzlich geschmückt

Ihr Stefan Todorov

Dieser Text wurde von der Redaktion nicht veröffentlicht. Das Thema der Juli Ausgabe der GZ lautete nun „Männerwelten – Diskreter Charme kommt an“?!

Ich wünsche mir Schmuck, der sich lohnt gemacht worden zu sein. Schmuck, der getragen oder im Museum für die nächsten Generationen aufbewahrt wird, statt von ihnen schon morgen eingeschmolzen zu werden.

Ein schöner Traum!

Schmuck für Außerirdische

Design Schmuck für Ausserirdische, Kristallspiegel

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Das Thema: „Stellen Sie sich vor: Sie sind zu einem großen transplanetaren Empfang eingeladen, wo Sie intelligente und außergewöhnliche Wesen von einem anderen Planeten treffen werden. Ihr Schmuck dient Ihnen als Kommunikationsmittel, um mit diesen fremden Wesen in Kontakt zu treten.“





Selten fand ich ein Wettbewerbsthema spannender, provokanter und phantastischer! Es war im wahrsten Sinne des Wortes „aus der Luft gegriffen“. Dieser Gedanke war so absurd, dass man beim Nachdenken tatsächlich an die Grenzen des Möglichen und sogar des Denkbaren stößt. Gerade deshalb hat es mich veranlasst über grundlegende Probleme von Kommunikation im Allgemeinen nachzudenken und im Speziellen über die Aussagefähigkeit des Mediums Schmuck.

Das Problem besteht einerseits darin, dass wir vom angenommenen Rezipienten gar nichts wissen (so abstrakt war noch keine Zielgruppe!) und andererseits, weil wir ein Medium benutzen wollen dessen Wirkungsweise, selbst unter uns Menschen, äußerst uneinheitlich ist.

Ich stellte mir viele Fragen: Können diese Wesen hören, sehen, riechen, fühlen, sprechen... oder kommunizieren sie anders? Sind sie aus Materie? Haben sie Hände und Füße... einen Kopf... oder fließen sie einfach hin und her...?

Kommunikation setzt Gemeinsamkeiten voraus (chemische, physikalische, biologische, gesellschaftliche usw.)

Eine logische Schlussfolgerung verdeutlicht die Absurdität des Themas: Wenn diese Wesen bereits den Weg zu uns gefunden haben, dann ist das nicht unser erster Kontakt...

Wenn sie zu uns gekommen sind (und nicht wir zu ihnen), dann müssen sie in Ihrer Entwicklung wesentlich weiter sein?! ...Dennoch wissen wir aufgabengemäß nichts von einander. Also frage ich mich: Wird es ihnen auffallen, wenn ich z.B. nackt zum Empfang komme? Woher sollen sie wissen, dass etwas an mir Schmuck ist, und vor allem für die Kommunikation mit ihnen bestimmt ist? Kann das mein Hund wissen? Über ihn weiß ich mehr.

Ich kann also nichts vorbereiten. Ich kann mittels Form keinen Inhalt, keine Information nicht ein mal ein Gefühl vermitteln, wenn ich nicht weiß wie! Ich nähme nur an, dass ihre Logik wie unsere menschliche funktioniert, dass diese Wesen über ähnliche Sinne verfügen und ein Selbstbewusstsein haben, also auch ein Bild von sich selbst. Deshalb habe ich einen Schmuck gemacht in dem der außerirdische Betrachter im Moment der Begegnung etwas entdeckt, was ihm vertraut ist- sein eigenes Bild. Dieser Schmuck bleibt offen für Begegnungen jeder Art und ist nicht durch (Vor)urteile belastet. Die internationale Juri bestand leider nur aus „Erdlingen“, was nicht nur mich an ihrer Kompetenz und Entscheidung zweifeln ließ!

 

kurze Rede

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Als ich vor wenigen Tagen gefragt wurde, ob ich einige Worte über meine Studienzeit bei Professor Nickel sagen würde, war ich im ersten Moment sehr überrascht. Es sind etwa 17 Jahre seit damals vergangen in denen ich, ganz ehrlich, nie bewusst daran zurück gedacht hatte.
Ich holte meine Vorlesungsunterlagen aus der Scheune, habe darin gelesen und anschließend mit meiner Frau über unser Studium gesprochen.
Da passierte etwas Erstaunliches!



Wie von einem guten Buch gefesselt wühlte ich gedanklich in eine Vergangenheit herum die auch meine geworden war! Ich las eine Jahresarbeit in der ich einen Schatzfund aus dem Saalkreis bearbeitete. Ich hatte völlig vergessen wie viel Spaß es damals gemacht hatte, die Fundstelle zu suchen, mit Augenzeugen zu sprechen, in alten Flurkarten und Gerichtsakten zu blättern, Hypothesen aufzustellen, sie zu verwerfen um am Ende einen Falschmünzer des 16. Jahrhunderts zu überführen.

Die Kunstgeschichte, von der Professor Nickel sprach, habe ich damals sehr wohl zur Kenntnis genommen. Das war für mich das gesammelte und geordnete Wissen darüber, was die Generationen von Künstlern vor mir geleistet hatten. Wenn ich heute zurück denke, habe ich dieses Wissen bei meiner eigenen gestalterischen Arbeit immer im Hinterkopf behalten. Aber nur, um nicht Dinge zum X-ten mal zu wiederholen, um nicht irgendwie Postmodern oder anders NEO zu sein.

Ich glaubte bis heute, dass für mich die Vergangenheit keine große Rolle spielt. Die Geschichte vermag für mich nur einen Teil der Wahrheit wiederzugeben.

Es gibt aber offenbar Menschen, für die die Vergangenheit viel mehr als nur berufliche Gegenwart ist. Menschen, wie Sie Professor Nickel, die akribisch das Unwiederbringliche studieren und ordnen um es vor dem Vergessen zu bewahren. Damit wir die Möglichkeit haben daraus etwas zu lernen. Wir Mensch sind sehr Vergangenheitsbezogen. Wir schöpfen, wie es so schön heißt, daraus die Kraft für unsere Zukunft. Aber auch unsere Wertvorstellungen orientieren sich daran und wir versuchen viel zu oft die unermessliche Zukunft mit veralteten Maßen zu messen.

Die Kunstgeschichte sehe ich als eine Art „Schlechtes Gewissen“ an, das mich vorantreibt. Als Gestallter bin ich bestrebt Dinge zu tun, die es wert sind, dass die zukünftige Kunstgeschichte sich damit befasst. Als Künstler möchte ich nicht nur Vergangenheit verarbeiten und bewältigen, sondern selbst die zukünftige Schreibweise bestimmen.

Irgendwann haben die Menschen angefangen ihre Geschichte parallel zur Gegenwart auf zu schreiben. Die Ursprünge brauchen nicht mehr an Hand nur weniger Artefakte rekonstruiert zu werden. Geschichte auch Kunstgeschichte wird seitdem gemacht, gesteuert und manipuliert.

Zukünftige Kunsthistoriker werden es bestimmt nicht leicht haben Kriterien für die Einordnung der künstlerischen Äußerungen unserer Zeit festzulegen.

Lieber Herr Professor Nickel, danke dass ich in Ihrer Geschichte einen Platz gefunden habe. Ich hoffe, dass die meisten ihrer Studenten nicht so lange brauchen, um zu verstehen warum sie sich mit der Vergangenheit herumschlagen sollen.


Es reicht offensichtlich nicht ein Teil der Geschichte zu sein. Die Zeit muss unwiederbringlich vergehen um das auch zu begreifen.

 

Guten Morgen Frau K.

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ich finde es eigentlich schade das sie bzw. der zuständige fotograf? das bild vom austellungsraum als zu leer empfinden. ich habe sicher auch einige aufnahmen mit einem haufen menschen vor den vitrinen, die die sicht auf das wesentliche versperren, aber solche bilder können sie zu jeder anderen ausstellungseröffnung auch machen. die eröffnung ist eine ausnahmesituation. genießen kann man die arbeiten und den raum nur in ruhe.

ich hoffe sie verstehen mich.

ich fände es schade, wenn sie es aus besagtem grund nicht veröffentlichen können, kann sie aber auch verstehen...

es gilt auch für die bilder, die wir überall ständig sehen, dass sie beliebig austauschbar geworden sind. der spruch von der bildzeitung -"bild dir deine meinung", ist symptomatisch für unsere zeit. es gibt keine MEINung mehr, viel passender wäre IHRung oder WIRung oder wollen wir von UNSrung sprechen? wir sehen die welt nur noch aus der sicht der anderen. es ist nur wenig platz für eigene standpunkte. wir vertreten oder werden vertreten. wir machen uns ein bild von der welt anhand von fremden abbildern. wir sehen nur noch abstraktionen, konsumieren extrakte, lesen exzerpte, es gibt gleichstellungbeauftragte und eine öffentliche meinung. die wahrsager von gestern sind trendforscher geworden, die fremde gedanken aufspüren, welche wir (wohin auch immer) weiter-ver-folgen. wir sind zeitgemäß und laufen zum x-ten mal in den klamotten von gestern. wir haben eine vergangenheit an der wir gemessen werden, und die ist wie jede geschichte irgendwann nicht mehr ganz wahr...

nichts ist mehr fassbar, wir verstehen die welt nicht mehr, drängen aber in die virtuelle vor und lassen dafür die dritte stehen.

das denken hat uns von den affen abgehoben-" ich denke, also bin ich" - was bin ich also, wenn andere für mich sehen, denken, sprechen, fühlen, sterben? werde ich wieder zum affen? die affen können nicht sprechen, also können sie auch nicht lügen, wir können nicht nur sprechen - wir haben goethe und shakespear und die gebrüder grimm, die märchen erzählten, die seit es die bilder dazu gibt nicht mehr die selben sind. die kühe sind lila, der strom ist gelb und kommt aus der steckdose... die sprache hat sich verselbständigt, sie hat sich vom inhalt losgelöst und ist wie eine "flasche leer".

es bleibt zu viel WESENtliches auf der strecke... und es ist immer das eigene. das ICH genießt das bad in der menge und ertrinkt darin. wir löschen uns selbst aus. wir sehen von uns ab- wir verWESEN. alle schnappen an der oberfläche nach luft, weil wir verlernt haben zu tauchen. wir abstrahiren uns zum idealbild, dann ist aber kein individuum mehr da, das uns in stein haut!

es wird ein schöner herbst, genießen wir ihn!

mit freundlichen grüßen stefan todorov

 

I Design Something and Sometimes I Call it Jewelle

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GZ Interview with Stefan Todorov

“There's one thing I'm becoming more and more conscious of“, said Stefan Todorov in a conversation with GZ. “Jewellery is one of my favourite pastimes. Every new job sends me down a path I've been on several times before, but that surprisingly leads me somewhere else from the first step.“ In 1985, Todorov interrupted his study of art and art theory in Leipzig. He wanted to do something more practical so that he went to Halle, where he trained to be a goldsmith and studied until 1993 in the Small Sculpture/Jewellery Department at the Giebichenstein Castle College of Art and Design. Todorov was a free-lancer until 1997. Now he is training goldsmiths at the Arnstadt State Vocational School in Thuringia .

GZ: Mr. Todorov, you have presented very prominent and independent work as the winner of the Symbol Award. How important are competitions for you?

St. T.: I have enjoyed participating in competitions since I have been making jewellery. It gives me the opportunity to work on the same theme with a lot of other people and then to compare what comes out. As a designer, I try to work independent of social convention and fashions as much as possible. I can only create something new and really innovative that stands out from the mass of things that are often superficially designed if I can get away from the normal way of thinking. I want to shape tastes; I don't want to follow them.

GZ: Do the themes given at the competitions offer you enough latitude for that?

St. T.: I always ask myself when I'm working on a new competition if I'm going into it without reservations or prejudices. And I not only try to imagine the theme, but also what the work of the others would be like. The often-cited zeitgeist is an expression of the behaviour of the masses. Just when the themes begin to gel, that's when it makes sense to think about it, to get to the bottom of things. You always find work in the competitions that would have fit any other theme as well. You can even tell whose work they are from the "signature" immediately. I want to use some examples to demonstrate my approach. The theme of the Symbol III Award 2001 was the jewellery set. Normally, several pieces of jewellery are looked upon as a set if they are aligned with one another by external common features, for instance with shapes, colours, ornaments, one type of precious stone that matches or just by changing the size. The function and the way the individual pieces of jewellery are worn depend largely upon where it's worn on the body such as a pendant or pierced earring, neck jewellery or necklace, broach or a small broach, a finger ring or bangle, etc. When the individual parts of the set are designed and produced, individual pieces of jewellery are produced that maintain their function even if they are worn separately and still have a decorative function. With my jewellery set, the fact that the jewellery applications belong together is not only conceptual, meaning subjectively superficial, but they arise from the actual objective unity of the pieces of jewellery. I leave it up to the imagination and openness of the person wearing it what effect the jewellery has on others.

GZ: How did you approach the theme of the Symbol II Award 2000?

St. T.: The topic given was “Rings – Moving Up into New Dimensions of Interpretation“. The words from the call were “jewellery as a symbol“ and “the ring as an allegory of infinity“. They triggered my entry in the competition “Text Roll“. Is there such a thing as infinity? Intrinsically, there is, but not for each individual person. “Jewellery“ and “symbol“ are symbols. Do they really stand for “content“ and “form“? How can I, as a creator, immortalise this unity? Is this content lost more quickly while the shapes perhaps live on in a new content? Art history is full of interpretations of the essence of things. Jewellery has always had a communicative component, but we talk too little about it with one another. My entry arose from all of these deliberations. A titanium band is permanently written on with text, pictures, pictograms. As with life, this ring also has a beginning and an end. You don't need a special occasion to possess this ring. What was written on it once cannot be erased. Of course, you can change the outside ring as its exterior at any time, but the essence (the essential) lives on and grows with the person wearing it.

GZ: What meaning do form, function and content have with your jewellery design?

St. T.: A very important aspect of my work is developing jewellery functions. There are a lot of things in life that are good so that they remain essentially unchanged over a long time. Mostly, they are the practical things where only the decoration is changed. You take a function that has proven its worth and you only design on the surface. When you see an object for the first time and you may conclude something about the content from its appearance or even understand its function immediately, that's usually because of the good design. What's innovative for me is what stimulates you to ask questions at first glance. This means that when one of the components of “content“, “form“ or “function“ has not been generally recognised and therefore evokes questions, even a misunderstanding or even rejection at first. New things are always measured with old standards. Somebody appropriately said once: “Inventors are not ahead of their time, but the mass is lagging behind.“

GZ: What criteria does jewellery have to fulfil in your opinion?

St. T.: When I think about my work, I notice that I'm actually looking for a criterion I can objectify for jewellery. Just “beautiful“ is very relative for me and lacks constancy. I try to be creative in the truest sense of the word, to put something into the world that not only I look upon as well-done. Good design is always much more for me than putting pretty dazzling things on a string. It also contains the question: is jewellery what we call jewellery or what you make of it?

GZ: Mr. Todorov, thank you for this interview.